Grundsätzliches über die English Springer Spaniel Zucht: 

Wie auch der Züchter möglichst viel über die zukünftigen Familien seiner Welpen wissen möchte (falls er sie nicht bereits kennt), so sollten sich die Welpeneltern in spe ebenfalls eingehend informieren und haben es in der Hand, aus welcher Zucht sie ihren Welpen zu sich holen, wie gesund der Welpe aufwächst und geprägt wird und ob alle gesundheitlichen und leistungsspezifischen Ergebnisse und Ausstellungstitel  in der Ahnentafel des Zuchtverbandes über mindestens 3 Generationen enthalten sind. Die Papiere der Welpen variieren, je nachdem an welchen Dachverband (FCI, VDH, JGHV) der Zuchtverband angeschlossen ist. Ohne Anschluß des Zuchtverbandes an den JGHV sind in Deutschland zum Teil keine jagdlichen Prüfungen wie die allgemeine Brauchbarkeit möglich.   

 

Der Jäger sollte sich entsprechend damit auseinandersetzen, ob sich ein English Springer Spaniel aus der Standardzucht/nichtjagdlichen Zucht ohne jagdliche Hunde in der Ahnentafel für eine jagdliche Ausbildung und als Jagdhund eignet. Darauf weist auch der JGHV in seiner neuen Broschüre über die Jagdhunderassen hin. Zitat: 'Der Jäger der einen Spaniel haben möchte, sollte daher in einem jagdlichen Zwinger seinen Welpen suchen'. Ausschließliche Showlinien bergen sowieso immer das Risiko der Übertypisierung und es ist immer die Frage, inwieweit sich die Übertypisierung und der durch reine Championverpaarungen begrenzte Genpool in der Standardzucht auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Rasse auswirken kann. 

Emma bringt die Taube 5 Wochen alt

Im Allgemeinen beschreibt der FCI Standard 125 einen Gundog und Familienhund (keinen Showhund), der lebhaft, aufmerksam und gehorsam ist und mit einem eigenen kräftesparenden Gangwerk ausgestattet, das ihn befähigt über Stunden im jagdlichen Einsatz zu sein. Der English Springer Spaniel soll laut Standard das Wild hochmachen und nach dem Schuß apportieren.Ein guter Züchter richtet sich also nach dem vorgebenen FCI Standard und kennt im Idealfall seine eigene selbstgezüchtete Linie plus den Genpool der Elterntiere und Verwandten und analysiert aufwändig seine Linie und die Linie des Deckrüden bevor er eine Verpaarung angeht. Allerdings muß er sich hierbei auch auf die Aussagen und Informationen seiner Züchterkollegen verlassen können. Im Prinzip baut jeder Züchter auf Linien auf, die Züchter vor ihm gezüchtet haben und damit auf das 'genetische Material' dieser Hunde bis in die beispielsweise 8. Generation. Bei der Annahme, dass 40% Prozent der gezüchteten Hunde irgendeinen Defekt haben oder in sich tragen, kann es keine absolute Sicherheit bei Verpaarungen geben. 

Die Inzucht in einer Ahnentafel ist für jeden Laien anhand von doppelten Namen in der Vater- als auch Mutterlinie klar zu erkennen. Zu den gesundheitlichen Untersuchungen und dem standardkonformen Äußeren samt Zuchtzulassung der Standardzucht kommen für die jagdliche Zucht immer Aspekte wie allgemeine Ausbildbarkeit, Apportieranlage, Schußfestigkeit, Laut, Wildschärfe, Finderwille, Nasengebrauch, Stöberanlage, Wasserfreude etc .. hinzu. Es liegt auf der Hand, dass die jagdliche Zucht damit im Allgemeinen sehr viel aufwändiger ist als die reine Standardzucht, deshalb sind  die jagdlichen Anlagen beim English Springer Spaniel (FCI Standardzucht) international nur noch in sehr wenigen Linien vorhanden.

Doch nicht erst seit dem dem Auftritt der 'Best of Breed' deutschen Schäferhündin anläßlich der Crufts 2016 und anderen BOB wissen wir, wohin die Zucht von vermeintlicher und ausschließlicher 'Schönheit' führt. Soll der English Springer Spaniel nur noch aus einer äußeren Hülle ohne Inhalt, Leistungsfähigkeit und Intelligenz bestehen ? Ich glaube nicht, nur werden über Generationen keine jagdlichen Arbeitsprüfungen mit den oben genannten Kriterien abgelegt oder jagdliche Hunde eingekreuzt, gehen die rassespezifischen Anlagen selbstverständlich verloren und damit auch typische Rasseeigenschaften des English Springer Spaniel. Die vorgenannten Anlagen- und Arbeitseigenschaften bestimmen in hohem Maße das Wesen und die Intelligenz der Rasse und natürlich auch den Phänotyp, das sollte jedem klar sein. 

Bei der Jagd muß auch die Ente außerhalb des Wassers gefunden und apportiert werden

Ein Spaniel ist ein wasserfreudiger Hund, der für die Entenjagd gezüchtet wurde, auch das wird abgeprüft. Sollte ein Hund bei einer jagdlichen Prüfung als stark schußempfindlich eingestuft werden, fällt er komplett aus der English Springer Spaniel Zucht, d. h. er ist aufgrund der Schußscheue NICHT zuchttauglich ! Anders in der Standardzucht, dort wird kein Schußfestigkeitsnachweis verlangt.

 

Der seriöse Züchter im VDH wird 'alle' seine Zuchthunde und die Wurfplanung, wenn es soweit ist, mit den vorgeschriebenen gesundheitlichen Untersuchungen und Prüfungen auf seiner HP publizieren, denn er hat nichts zu verbergen. Ab zwei Würfen im Jahr und mehr als zwei fortplanzungsfähigen Zuchthündinnen und/oder Zuchtrüden ist von einer gewerbsmäßigen Zucht auszugehen. Das bedeutet, der Züchter betreibt keine reine Hobbyzucht mehr. Es bedarf keiner weiteren Erklärung, dass zusätzlich zu den Würfen bei einem Züchter mit mehreren Zuchthunden die Hunde täglich beschäftigt, ausgeführt, gepflegt, versorgt und bestenfalls ausgebildet werden müssen. Bei einem durchschnittlichen Wurf von sieben Welpen mit entsprechender Prägung und Sozialisierung in Haus, Garten und Umwelt haben alle Beteiligten und die Mutter der Welpen von der Geburt an Tag und Nacht über fast drei Monate alle Hände beziehungsweise Pfoten voll zu tun. Bei den English Springer Spaniel Deckrüden existiert in der Standardzucht als auch in der jagdlichen Zucht keine Deckrüdenlimitierung und es kommen häufig die gleichen Deckrüden zum Einsatz. Die Deckrüdenlimitierung ist sicherlich eine der effizientesten Möglichkeiten zur Limitierung des Inzuchtanstiegs, der zu starken Verlusten der genetischen Vielfalt und damit zu Erbkrankheiten führt. 

Gesundheitliches:

Generelle Zuchtvoraussetzungen der Zuchtverbände in Deutschland sind: Eine Rötgenuntersuchung auf Hüftgelenksdyplasie. Die Röntgenaufnahme wird vom Tierarzt zentral eingeschickt und ausgewertet, d. h. man bekommt das Ergebnis nicht sofort beim Tierarzt wie im Ausland, sondern Wochen nach dem Röntgen vom Zuchtverband). Und eine ECVO oder DOK Augenuntersuchung vor dem Zuchteinsatz Frei von PRA und Katarakt und allen anderen erblichen Augenkrankheiten heißt nicht, dass zusätzlich eine Gonioskopie durchgeführt wurde. Die Gonioskopie beider Elterntiere ist eine freiwillige Leistung des Züchters. Ab dem Jahr 2017 ist eine gonioskopische Untersuchung für English Springer Spaniel im JspK, allerdings ohne Einschränkung auf die Zucht, für zwei Jahre vorgeschrieben. Beim Verein Spaniel-Klub dürfen 'total dysplatische' Hunde nicht in die Zucht. Wichtig zu wissen: sind Elterntiere nicht untersucht, nicht frei/clear oder nur ein Elterntier untersucht, ist nicht vorhersehbar, ob Welpen später ebenfalls Gonioskopie affected, d.h. krank werden und ein Glaukom entwickeln können!  Ein Glaukom kann bekanntermaßen zum Verlust des Auges führen. Der Befund bei der Gonioskopie wird inzwischen in 'Kurze Trabekel', 'Gewebebrücken' und 'Total dysplatisch' unterschieden - es gibt Hunde die alle drei Befunde aufweisen. Bei der Goniodysplasie handelt es sich eindeutig um einen erblichen Defekt. (Mehr Informationen zu Augenuntersuchungen und erblichen Erkrankungen und Gonioskopie hier .) Bei anderen Jagdhunderassen oder beim deutschen Schäferhund sind übrigens keine Untersuchungen der Augen oder nur eine einmalige Untersuchung bei einem Augenfachtierarzt Pflicht.

Die genetische Untersuchung auf cord1 war völlig überflüssig und wurde von Laborklin eingestellt, da der Gentest nie aussagefähig in bezug auf die PRA beim English Springer Spaniel war und ist. Wenn Sie also cord1 frei lesen, so hat das keinerlei Bedeutung. Fucosidose Träger gibt es bei deutschen Zuchthunden derzeit vereinzelt und Züchter züchten mit nicht untersuchten oder nicht freien Hunden,  da nicht alle Zuchtverbände einen genetischen Test auf Fucosidose vorschreiben Der Jagdspaniel-Klub schreibt den Gentest vor, d.h. die Zuchttiere sind Fucosidose de oder Fucosidose frei.  Die Canine Fucosidose ist eine erbliche und tödliche Krankheit, wenn zwei Träger miteinander verpaart werden. Ist nur ein Hund Träger, der andere frei, sind auch ein Teil der Welpen Fucosidose Träger.  Auch im Ausland wird der Gentest nicht generell durchgeführt. Gleichwohl bezahlt der Welpenkäufer den üblichen Welpenpreis auch bei Züchtern, bei denen die Elterntiere nicht auf Fucosidose untersucht sind oder bei der Gonioskopie Gewebebrücken aufweisen etc.  

 

Zur jagdlichen Zucht:

Wie schon gesagt, verlangt die ausschließliche Standardzucht (auch Schönheitszucht genannt) keine Arbeitsnachweise oder jagdliche Prüfungen mit Schußfestigkeit und Elterntiere und Generationen aus der Standardzucht haben somit keine jagdlichen Prüfungen und meist auch keine hundesportlichen Prüfungen abgelegt, daraus ergibt sich dass die Welpen heutzutage nicht mehr für den Jagdgebrauch geeignet sind. Wenn der Züchter seine English Springer Spaniel nicht trainiert und jagdlich ausbildet, kann er auch gar nicht wissen, welche Anlagen sie haben bzw ob sich die Hunde oder deren Nachzucht für den Hundesport oder die Jagd eignen.

Aber auch aus jagdlicher Zucht ist nicht gleich aus jagdlicher Zucht oder Leistungszucht. Denn nur die jagdlichen Prüfungen der Elterntiere sind Vorschrift für den Erhalt von jagdlichen Papieren aus jagdlicher Anlagen- oder Leistungszucht. Wieviel jagdliches Potential, sprich Arbeitsblut, tatsächlich in der Linie steckt wird nicht überprüft. So kommt es vor, dass nur die Elterntiere jagdliche Prüfungen bestanden haben, und bei manchem jagdlichen Vererber aus der sogenannten 'Leistungs- oder Anlagenzucht sonst überhaupt keine jagdlichen Prüfungen bis zur 6. Generation eingetragen sind. Sicherlich kann man durch regelmäßiges und intensives Training und beste Ausbildungsbedingungen vieles antrainieren und man kann eventuell auch bei besten Prüfungsbedingungen Prüfungen bestehen. Ob ein Welpe, der in der Mutter- oder Vaterlinie außer Mutter- oder Vater keine jagdlichen oder jagdlich geprüften Vorfahren aufweist, jagdliche Dispositionen und  genetischen Anlagen später vererben kann ist mehr als zweifelhaft. 

Debbie als Baby

Jagdliche Prüfungen, Spurlaut, FCI Reglement A und B, 'grüne' Papiere mit Sperlingshund JGHV: 

Die jagdlichen Prüfungsordnungen sind länderspezifisch ausgerichtet. Bei uns in Deutschland sind die jagdlichen Prüfungsordnungen für den English Springer Spaniel angelehnt an die des deutschen Wachtelhundes. Im  Ausland, beispielsweise Tschechien wird kein Spurlaut auf der warmen Hasenspur nach deutscher PO am nicht sichtigen Hasen geprüft, sondern der Laut und auch nicht das Fach Stöbern nach deutscher PO. In Schweden wird auch kein Spurlaut geprüft, obwohl es dort sehr vereinzelt spurlaute Hunde gab.. In England und Frankreich, Holland... werden ebenfalls Field Trials durchgeführt, da ist der Spurlaut verpönt und Lautäußerungen werden nicht verlangt. In Österreich ist ein Spurlaut zum Bestehen der Prüfung nicht notwendig. Gibt der English Springer Spaniel auf einer Fährte laut, wird das als Spur-, Sicht-, oder 'ohne Laut' vermerkt. (In Österreich, Tschechien und der Schweiz wird der Hund nach dem FCI Reglement B mit Laut, geprüft - Frankreich, Holland, England, Schweden und alle übrigen Länder nach dem Reglement A ohne Laut). Im Ausland wird grundsätzlich keine Lebendente geprüft. 

 

Spurlaut beim English Springer Spaniel

Beim Einsatz von den in Deutschland obligatorisch spurlaut geprüften Elterntieren in der jagdlichen Anlagen/Leistungszucht kann kein seriöser Züchter versprechen, dass die Welpen später spurlaut werden, da der Spurlaut (FCI Reglement A und B) beim English Springer Spaniel nie durchgezüchtet war und ist und das gesamte Ausland außerdem keinen Spurlaut zum Bestehen (Fährtenlaut Schweiz, Österreich vermerkt den Laut....) der jagdlichen Prüfungen fordert. Und der English Springer Spaniel dort, entsprechend seiner ursprünglichen Verwendung als Buschierhund und kurzjagender Stöberhund (ohne Laut, im FCI Standard wird auch kein Laut erwähnt) geführt wird. Bei einer sehr kleinen jagdlich geprüften Gesamtpopulation mit einer noch kleineren Population spurlaut (in Deutschland) geprüfter Hunde und fast keiner Auswahl an spurlauten Deckrüden ist es faktisch unmöglich den Spurlaut überhaupt zu manifestieren und beschränkt in hohem Maße die genetische Varianz und damit wieder die Entstehung von Erbkrankheiten ! Die Entscheidung, dass weiterhin in Deutschland die Zuchtprüfungen JZP, AZP, HZP (ohne Laut die sogenannte HP) und GP nur mit Spurlaut bestanden werden können, liegt beim Zuchtverband, Jspk e. V. Im Jahr 2017 fielen bei den Frühjahrsprüfungen sieben Cocker Spaniel durch die Anlagenprüfungen u. a. weil sie aus jagdlicher Anlagen/Leistungszucht keinen Spurlaut aufwiesen, nur vier English Cocker Spaniel und zwei English Springer Spaniel konnten die Prüfung überhaupt bestehen, einem Hund konnten keine Hasen angeboten werden. Bei den Herbstprüfungen (JZP/AZP HZP/HP GP Verbandsschweißprüfungen) konnten von 15 gemeldeten Cocker Spaniels 8 die Prüfungen bestehen, 2 gemeldete Welsh Springer Spaniel konnten die Prüfungen nicht bestehen. Von 10 gemeldeten English Springer Spaniels konnten 9 die Prüfungen bestehen. Die Vorgabe des Spurlaut zum Bestehen von jagdlichen Zuchtprüfungen bis zur Vollgebrauchsprüfung bei einer Rasse, die inzwischen auf der ganzen Welt keinen Spurlaut haben muß/soll  ist meines Erachtens nicht mehr zeitgemäß, da der English Springer Spaniel aufgrund seiner Größe auch ohne Spurlaut alle anfallenden Arbeiten im Revier und alle Apportierarbeiten erledigen kann. Nur wenn der Hund bei einer Drück- oder Treibjagd eingesetzt wird, sollte er spur- oder fährtenlaut geprüft sein. Das könnte auch, in Anlehnung an die österreichische Prüfungsordnung, bei den Prüfungen in Deutschland, auf dem Zensurenblatt vermerkt werden. Stumme Hunde sollten bei einer Drückjagd grundsätzlich ein Glöckchen tragen.

 

Es bleibt abzuwarten, wie lange überhaupt noch Spurlautprüfungen am Hasen durchgeführt werden können. Ein JZP/AZP ist aufgrund von Straßen und Eisenbahntrassen sowieso keine ungefährliche Prüfung für den Hund.  Weiterhin ist der Hasenbesatz ist in den letzten Jahren stark rückläufig und die Hunde sind im Vorteil, die vorher am Hasen üben können. Ich bin in der Lage die Entwicklung zu beurteilen, da ich seit über 15 Jahren jagdlich geprüfte spurlaute Hunde hatte und habe. Und ich bin ebenfalls in der Lage einen Spurlaut oder Fährtenlaut von einem Waidlaut oder sonstwie gearteten Laut zu unterscheiden. Einen Sichtlaut kann jeder Hundebesitzer erkennen, da der Hund unmittelbar hinter dem sichtigen Wild laut gibt. 

Und bitteschön, wer öffentlich behauptet, dass seine English Springer Spaniel oder die Nachzucht spurlaut sind, soll das doch durch ein kleines Video oder die ABL-Nummer (nur 'spurlaut' geprüfte Hunde bekommen eine ABL-Nummer A1/2/3 und werden in die Anlagenwertungsliste eingetragen), belegen. Papiere aus jagdlicher Zucht mit dem Sperlingshund des JGHV erhält ein Welpeninteressent ausschließlich in Deutschland. Im Ausland gibt es keine 'grünen Papiere' aus jagdlicher Anlagen/Leistungszucht, in Österreich einen Vermerk 'JZ' 'JLZ' auf der Ahnentafel.  

springfields@web.de

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
Springfield's English Springer Spaniel VDH FCI JGHV © 2014-2018 Claudia Jäger